Female Pleasure St. Gallen
to do's

#FemalePleasure: ein authentischer, bewegender Dokumentarfilm

November 15, 2018

Donnerstagabend, 20 Uhr:

Ich sitze im ausverkauften kinok der Lokremise und schaue auf die Leinwand-Projektion der geballten Faust des Filmplakats #FemalePleasure. An diesem Abend ist gleichzeitig Schweiz-Premiere und die Regisseurin, Barbara Miller, ist vor Ort, um Zuschauern Rede und Antwort zu stehen.

In meinem weichen Kinosessel sitzend muss ich sagen, dass ich nicht so genau weiss, was ich erwarten soll. Der starke Titel des Films #FemalePleasure und der Trailer haben vorab in mir ein Bild von Überzeichnung und Übersexualisierung geweckt. Ein bisschen wie Feuchtgebiete, denke ich zuerst. Das war anscheinend nicht nur mein erster Gedanke: als ich meiner Kollegin von meinen Abendplänen erzählte, schaute sie mich an, als hätte ich ihr etwas erschreckend Intimes anvertraut. Überraschung gepaart mit leichtem Schock und Neugierde. Es scheint selbst in unserer liberalen Gesellschaft noch etwas Tabuisierendes bei der Erwähnung der weiblichen Lust mitzuschwingen.

Nach einigen einleitenden Worten der Regisseurin heisst es dann: Film ab!

Und was ich dann zu sehen bekomme, bewegt mich und wie man in der anschliessenden Diskussion gut bemerkt, auch das Publikum. 

Zum Film: #FemalePleasure begleitet 5 starke, kämpferische Frauen aus 5 unterschiedlichen kulturellen und religiösen Hintergründen. Jede einzelne von ihnen berührt mit ihrer einzigartigen Geschichte. Die japanische Pop-Art Künstlerin Rokudenashiko, zum Beispiel, bringt einen zum Lachen mit ihren fantasievollen 3D Vagina-Drucken und Kunstwerken, wofür sie in Japan immer noch vor Gericht steht aufgrund von “Obszönität”. Kaum zu glauben, in einem Land, welches besessen ist von Sexualität und den Penis bem Kanamara-Matsuri zelebriert.

Die in London lebende, somalische Aktivistin Leyla Hussein, dagegen, lässt einen mitfühlen, was es für Mädchen bedeutet, eine Genitalverstümmelung zu erleiden. Deborah Feldman, Autorin von Unorthodox, Doris Wagner, Autorin von Nicht mehr ich: Die Geschichte einer jungen Ordensfrau und Vithika Yadav, Gründerin von LoveMatters in Indien, komplettieren die Gruppe an dokumentierten, starken Frauen.

Ich muss sagen, dass es Barbara Miller geschafft hat, auf das Thema Weiblichkeit und weibliche Sexualität in unserer Gesellschaft und den verschiedenen Religionen und Kulturen mit viel Feingefühl einzugehen. Der Dokumentarfilm hat rein gar nichts anrüchiges, provozierendes oder vulgäres, sondern ist im Gegenteil sehr bewegend, lehrreich und authentisch. 

Er ist ausserdem ein Aufruf an alle, Frauen wie Männer, das Schweigen und die Tabus zu brechen, um in einen offenen Dialog zu treten, denn nur zusammen kann etwas erreicht werden. Die Faust und der Hashtag haben jetzt schon eine Welle ins Rollen gebracht.

Ich kann nur sagen: der Film lohnt sich, egal ob Frau oder Mann!

Eintritt: 16 CHF / 13 CHF Studenten



Weitere Vorstellungen:

Sonntag, 18.11.    10.30 Uhr

Mittwoch, 21.11   15.50 Uhr

Dienstag, 27.11    18.40 Uhr

Sonntag, 02.12     18.15 Uhr

Sonntag, 09.12     14.30 Uhr

Freitag, 14.12       16.50 Uhr

Montag, 17.12      20.30 Uhr

Montag 31.12       15.30 Uhr


kinok

Grünbergstr. 7, 9000 St. Gallen

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